Wirrwar

Der Name Wirrwar: Ursprung, Bedeutung und heutige Verwendungen

Bei dem Nachnamen Wirrwar bekommt immer wieder das Gleiche zu hören, wie das geschrieben wird (harmlos aber häufig), wie lustig der Name sei (nervig und noch häufiger) oder dass man endlich den richtigen Namen nennen soll (frustrierend). Im Studium und im Beruf geht es auf vermeintlich höheren Niveau weiter wie „…ich hoffe, Sie bringen kein Wirrwar(r) in unsere Abteilung“. Während man als geborener Wirrwar  über lange Jahre des Leidens an den Namen gewöhnt wird, haben es die angeheirateten Partner besonders schwer: auf einen Rutsch wird ihr Freundes- und Kollegenkreis mit diesem neuen Namen und sie mit den unvermeidlichen geistreichen Reaktionen konfrontiert. Schade, dabei gibt es doch so viele positiv besetzte Assoziationen mit dem Namen „Wirrwar“. Etymologisch ist unser Name alles andere als harmlos, gemäß meiner Recherchen entstanden Namen und Worte dieser Art (Zickzack, Piffpaff, Ruckzuck etc. im 17. Jahrhundert und Wirrwar kommt von (Kriegs-) Wirren und der Kriegswirrer, also ein Soldat. Die Nähe zum Krieg mit unserem Namen findet sich in fast allen Sprachen wieder (Guerra, guerre, war). Wie hat sich unser erster Vorfahr bloß diesen Namen verdient?

Ein wirklich unbedeutender Komponist A. A. Šachovskoj, Dirigent und Pädagoge aus Venedig, offensichtlich slawischer Wurzeln stammend, schrieb 1820 eine komische Oper mit rearrangierten Arien von Mozart und Rossini namens Novaja sumatocha, ili Ženichi čužich nevest (Neuer Wirrwarr, oder Die Bräutigame fremder Bräute; A). Unschwer zu erkennen: Wirrwar heißt auf Serbokroatisch offenbar „sumatocha“.

In Neuhausen am Rheinfall in der schönen Schweiz gibt es eine Theatergruppe WirrWarr, wenn also eine unserer Namensmitglieder ins Alemannische gerät, sollte er sich mal eine Aufführung anschauen.

Und das beste zum Schluss, denn Leute mit gesunder Halbbildung können mit den folgenden Namen und Vokabeln durchaus etwas anfangen, denn Friedrich Maximilian Klinger, ein Orts- und Zeitgenosse von Goethe in Weimar, der 1776 als lokaler Theaterdichter ein Stück namens „Der Wirrwarr“ schrieb, wurde von seinem Agenten Kaufmann dazu genötigt, das Stück in „Sturm und Drang“ umzubenennen. Man stelle sich vor, diese klassische Periode hieß nicht Sturm und Drang-Zeit, sondern Wirrwarr-Zeit.

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© Andreas Wirrwar